Die größten Theaterskandale

Vor 150 Jahren starb der Wiener Volkskomödiant Johann Nestroy

Die Bühnen der Welt gehören zu den Orten an denen man zeitkritisch oder teilweise auch revolutionär sein kann und ungestraft davonkommt. Oftmals wandern Regisseure auf einem schmalen Grat. Wenn die künstlerische Freiheit dann aber doch über die Grenzen des Zumutbaren hinausgehen, sind Skandale vorprogrammiert. In den letzten beiden Jahrzehnten hat man aber auch öfters den Eindruck, dass diese Skandale bewusst provoziert werden um die Werbetrommel anzukurbeln. Ein beliebtes Stilmittel ist hierbei provozierende Textpassagen (z.B. rassistisch, antisemitisch oder sexistisch) in Ankündigungen und Pressemitteilungen vor der Uraufführung zu verbreiten, welche den Eindruck erwecken die Meinung des Regisseurs widerzuspiegeln ohne deutlich darauf hinzuweisen, dass es sich um Teile des Schauspiels handelt.

Johann Nepomuk Nestroy

Einer der es prächtig verstand mit seinen Inszenierungen immer wieder für Skandale zu sorgen war der Wiener Dramatiker Johann Vor 150 Jahren starb der Wiener Volkskomödiant Johann NestroyNepomuk Eduard Ambrosius Nestroy. Immer wieder wich er von den eingereichten Textbüchern ab und sorgte somit für Verstimmungen unter den Obrigkeiten. Dies brachte Nestroy sogar einmal ins Gefängnis. Ein anderes Mal trat er mit Semmeln anstatt Knöpfen am Hemd auf. Das war seine Art des Protests gegen die Wiener Bäckerzunft, deren Backwaren immer kleiner wurden, der Preis jedoch in die Höhe ging.

Heute muss man fast darüber schmunzeln, dass der Nestroy Theaterpreis seit dem Jahr 2000 der wichtigste Theaterpreis in Österreich ist.

Wiener Brecht-Boykott

Für 10 Jahre (1953-1963) boykottierten alle etablierten Wiener Theater die Stücke Berthold Brechts. Initiiert wurde der Boykott vom damaligen Direktor des Burgtheaters Ernst Haeusermann, sowie den beiden Publizisten Friederich Torberg und Hans Weigel. Diese bezeichneten die kommunistischen Ansichten und Brecht selbst als „Poeten des Teufels“ und „Schande von Österreich“. Das Wiener Volkstheater war es, dass 1963 als Boykottbrecher Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ aufführte und dafür stark in Kritik geriet.

Berthold Brecht spaltete die stark politisch beeinflussten Obrigkeiten der Wiener Theaterszene noch über viele weitere Jahre.